Vom Norden in den Süden
Mehr als einen Monat sind wir jetzt schon wieder unterwegs. Sowohl zu Land als auch zu Wasser. In Bremen starteten wir Ende Mai Richtung Süden mit unserem Camper. Der Süden ruft, Griechenland ruft und INTI ruft am lautesten nach uns.
Unser erster Halt führt uns nach Öhringen bei Heilbronn zu lieben Segelfreunden. Von dort geht es weiter nach Linz. Wieder warten Freunde auf uns – und fast schon traditionsgemäß auch ein Gewitter. Erinnerungen an unsere Donaureise vom letzten Jahr werden wach, denn auch da fiel ein Besuch der Strandbar unserer Freunde wegen starken Unwettern ins Wasser. Wir machen es uns trotzdem gemütlich in den alten Gemäuern, in denen die beiden wohnen. Es ist ein altes Kloster und sie wohnen nicht etwa in einer winzigen Gebetszelle, sondern in dem riesigen, ehemaligen Speisesaal. Der Tisch füllt sich mit gutem Essen, Wein und Geschichten. Dann trennen sich unsere Wege.

Durch den Balkan
Hinter Linz zieht die Landschaft gemächlich vorbei. Wir streifen Ungarn und begegnen immer wieder der Donau. Diesmal schauen wir von oben auf sie herab. Breit liegt sie in der Landschaft, kraftvoll und schnell. Es ist schwer zu glauben, dass wir mit unserer kleinen INTI diesen Fluss im letzten Sommer tatsächlich hinuntergeschwommen sind. Mit gelegtem Mast immer mit der Strömung und manchmal ziemlich klein im Amazonas Europas.
Noch ist Vorsaison und der Campingplatz, auf dem wir übernachten wollen, wirkt, als wäre er gerade aus dem Winterschlaf erwacht. Alleine essen wir im dazugehörigen Restaurant, Musik dudelt dezent vor sich hin. Wir fallen ins Bett und schlafen die erste Nacht in unserem kleinen Camper, von Grillen umzirpt, einen erholsamen, langen Schlaf.
Ein Freund hatte uns geraten, einen Abstecher nach Subotica auf unserer Fahrt durch Serbien zu machen.

Die Innenstadt ist voller Leben, auffällig viele junge Menschen sind unterwegs, flanieren zwischen den vielen Eisdielen, kühlenden Springbrunnen und Bars herum. Besonders zieht uns die Synagoge in ihren Bann.

Von außen beeindruckend, innen fast überwältigend. Durch die bunten Fenster fällt das Sonnenlicht in roten, grünen und goldenen Flecken auf den Boden. Für einen Moment wird es ganz still.

Ein paar Stunden später sind wir wieder direkt an der Donau auf einem Campinglatz bei Belgrad. Uns lockt der Besuch dieser pulsierenden Donaustadt. Noch nie vorher waren wir so früh in der Saison hier unterwegs. An den Wegesrändern blüht knallrot der Klatschmohn, in Gärten duftet der Jasmin, Oleander wuchert in allen Farben.

Mit dem öffentlichen Bus fahren wir hinein in die Stadt. Als erstes besichtigen wir die Festung Beogradska Tvrđava am Zusammenfluss von Donau und Save. Auf dem Hügel haben wir eine wunderbare Aussicht auf die beiden Flüsse und das bunte Ausflugsboottreiben darauf. Wir bummeln durch die Stadt, ein Gewitterschauer unterbricht dies für kurze Zeit, dann finden wir uns in einem alternativen Viertel wieder. Ateliers und Konzerträume verstecken sich in bunt besprühten Häusern in Hinterhöfen.

Ein weiterer Regenschauer zwingt uns, den Bus Richtung Campingplatz zu nehmen. Für den nächsten Tag steht eine weitere Verabredung an. Vor drei Jahren, während der schweren Überschwemmungen im Pilion, saßen wir gemeinsam mit einem serbischen Paar in einer kleinen Apartmentanlage in den Bergen fest. Gemeinsam teilten wir das Schicksal von Stromausfall, tagelangem Regen mit Blitz und Donner. Abends saßen wir im Kerzenschein beieinander, teilten unsere Vorräte und Geschichten. Sie haben ein Ferienhaus im Süden Serbiens und da wollen wir sie besuchen. Eine Ecke Serbiens, die sehr grün, bewaldet und gemütlich wirkt. Die Wiedersehensfreude ist groß, es gibt gutes Essen, selbstgemachten Rakija und das schöne Gefühl, dass manche Begegnungen auch nach Jahren weitergehen, wo sie aufgehört haben.

Teure 300 Kilometer
Nun wird die Spannung größer, wir gehen auf Kurs Griechenland. An der Grenze von Serbien nach Nord-Mazedonien haben wir Glück, die Autoschlangen sind nicht lang, ein kurzer Blick in die Pässe, ein Stempel und schon flutschen wir aus Serbien hinaus.
Zu früh gefreut, am Grenzposten nach Nord-Mazedonien gibt es Ärger. Die freundliche Dame im Grenzhäuschen nimmt unsere Unterlagen entgegen, blättert kurz darin und schaut uns dann an. Für die Fahrt durch dieses Land benötigt man einen bestimmten Versicherungsnachweis für das Auto. Wir hatten den in Bremen auch eingesteckt, doch leider nicht auf das Gültigkeitsdatum geschaut. „It is expired! You need to buy one.“
Das kann ja wohl nicht wahr sein! 120 Euro soll uns eine schnell angefertigte Version dieses Scheines kosten. Nur für die Durchfahrt von etwa 300 Kilometer durch dieses Land. Wir stehen eine Weile etwas ratlos zwischen den Grenzcontainern herum. Es ist inzwischen dunkel geworden. Autos rollen vorbei, irgendwo streunen Hunde über den Asphalt und ein paar Männer lehnen rauchend an ihren Autos. Kurz spielen wir mit dem Gedanken, einfach umzudrehen und einen Umweg über Bulgarien zu fahren. Aber nach ein paar Minuten Hin- und Her geben wir auf. Zähneknirschend bezahlen wir die Versicherung, bekommen ein frisch ausgedrucktes Blatt Papier in die Hand gedrückt und dürfen endlich weiter.
Zuhause bei INTI und unseren Freunden
Am nächsten Tag erreichen wir endlich Griechenland. Jasmin duftet, Menschen schnattern fröhlich und wir haben das Gefühl, zuhause angekommen zu sein. Bevor wir zur Werft fahren, gönnen wir uns noch zwei Nächte am Strand. Ein bisschen Urlaub, bevor die Arbeit beginnt. Morgens Kaffee mit Blick aufs Meer, zwischendurch ein Sprung ins Wasser und einfach noch einmal durchatmen.

Als wir auf dem Werftgelände ankommen, dauert es keine Minute, bis uns das erste bekannte Gesicht entgegenkommt. Ein Freund arbeitet ebenfalls an seinem Boot und begrüßt uns so herzlich, dass wir beinahe vergessen, weshalb wir eigentlich hier sind. Fast. Denn da steht sie. INTI.

Erleichtert stellen wir fest, dass sie nicht gelitten hat, alles ist trocken innen und außen ist sie frisch und knackig wie bei unserem Abschied vor einem halben Jahr. Es beginnen schweißtreibende Tage in ihrem Bauch mit Motor- und Elektrikarbeiten. Leiter hoch, Leiter runter, ein gutes Training.

Das Antifouling wird einmal übergestrichen, die Zeit vergeht im Nu und nach einer Woche wird INTI vom Bagger zurück in ihr Element geschubst. Alles läuft hervorragend und wir schmeißen erstmal für eine Nacht den Anker, bevor wir uns auf den Weg zu unseren Freunden machen.

Eine Einzugsfeier bringt uns schon am ersten Abend mit den meisten Leuten zusammen, die wir in den letzten Jahren hier kennengelernt haben. Obwohl wir uns nur einmal im Jahr sehen, fühlt es sich überhaupt nicht so an. Ein paar Arbeiten erledigen wir noch im Hafen, bevor wir uns auf den Weg in die Ägäis machen. Noch einmal Proviant kaufen, Wasser bunkern, ein letzter Blick in den Motorraum, hier eine Schraube nachziehen. Langsam verwandelt sich das Boot wieder von einer Baustelle in unser Zuhause.
Segelei durch die Sporaden
Wir passieren Skiathos und Skopelos, unser Ziel ist Alonissos, eine Sporadeninsel. Schon die ersten Seemeilen fühlen sich vertraut an. Das leise Gluckern am Rumpf, das Summen des Motors, später das Rascheln der Segel. Das haben wir ein halbes Jahr lang vermisst.

Der Anker fällt in einer kleinen Bucht, das Wasser ist karibisch türkis und glasklar, kaum greift der Anker, springen wir ins Wasser. Mit Segelfreunden teilen wir uns diese schmale Bucht und genießen noch einen fröhlichen Abend, bevor die Beiden sich auf den Weg nach Skyros machen.

Doch der Wind macht uns einen Strich durch die Rechnung, er frischt auf, so dass wir in einen nur wenige Meilen entfernten kleinen Hafen flüchten. Gemütlich geht es hier zu, die Taverne ist auch gleichzeitig Supermarkt und hier treffen sich auch Segler mit Eignerbooten. Bei einem Café Frappé beobachten wir in der schattigen Taverne das Treiben, Eile oder Hektik sind weit entfernt.

Hierher kommen die, die etwas zu erledigen haben und die, die einfach nur kommen, ohne etwas erledigen zu müssen.

Noch ein paar kleine Stopps, noch einmal Freunde treffen und dann müssen wir zurück zu unserem Camper, um ein paar Dinge zu erledigen.



Nähversuche
Vor einigen Jahren haben wir ein Vorsegel geschenkt bekommen. Eigentlich ein Glücksfall, denn es passt deutlich besser als das, mit dem wir bisher unterwegs sind. Es gibt nur einen Haken – oder genauer gesagt: den Keder. Das ist eine eingenähte Leiste, mit der das Segel in die Rollanlage eingefädelt wird. Leider hat sie das falsche Maß. Wir finden ein altes Segel mit einem passenden Keder. Den trennen wir sorgfältig ab. Der Plan klingt einfach: Den alten Keder an das neue Segel nähen, fertig. Der Arbeitsplatz ist vorbereitet, das Segel ausgebreitet, die Nähmaschine steht bereit. Der erste Tritt aufs Pedal. Nichts. Oder besser gesagt: fast nichts. Der Motor gibt sich alle Mühe, doch gegen mehrere Lagen dicken Segeltuchs hat er keine Chance. Er brummt tapfer vor sich hin, doch das war es dann auch. Frustriert schauen wir uns an. Das war wohl nichts.

Da unser Kumpel auch zu einer Segelwerkstatt muss, nimmt er das Segel kurzerhand mit. Es wird uns einiges kosten, doch verglichen mit einem neuen Vorsegel ist das ein Schnäppchen. Noch einen Schlag zum großen Supermarkt, ein paar Ersatzteile besorgen und dann dreht sich der Bug wieder Richtung neue Abenteuer. Wir sind gespannt!
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Immer wieder schön, eure „ blumigen“ Erzählungen zu lesen. Aktuell bin ich nach einer langen Runde Westschweden wieder im Norden Dänemarks. Hier ist es hochsommerlich, aber der Kontrast zu eurem Revier könnte kaum größer sein. Es muss schön sein in Griechenland, zumindest in der Vorsaison. Vielleicht finden wir nochmal eine Gelegenheit, uns dazu auszutauschen. Weiterhin gute Fahrt.